30.09.2017 12:44 Alter: 113 days
Kategorie: Berichte, News

Bericht: Fünftes Werkstattgespräch zum zweiten Goetheanum (Sept. 2017)


Als Marianne Schubert 2014 die Leitung der Sektion für bildende Künste am Goetheanum übernommen hatte, gehörte es zu ihren Anliegen ein vertieftes Bewusstsein für den Bau des zweiten Goetheanums zu entwickeln. Seitdem haben unter dem Titel "Werkstattgespräche" öffentliche Arbeitswochenenden zu verschiedenen Aspekten des zweiten Baue stattgefunden. Mitglieder des kleinen Initiativkreises oder eingeladene Gäste brachten ihre oft über Jahrzehnte erarbeiteten Anschauungen vor und entwickeln dabei die Gesichtspunkte, unter denen der Bau dann ausführlich betrachtet wird. Diese Beobachtungsübungen mit Alexander Schaumann bildeten den roten Faden durch alle Arbeitswochenenden. Die sich in der geduldigen Anschauung einstellende Einigkeit ist für viele Teilnehmer  immer wieder überraschend. Wenn der Bau spricht, verstummen die Meinungen. 

Das fünfte Werkstattgespräch  stand unter dem Steinerzitat: "Die Architektur ist das Hinausprojizieren der Kräftelinien des physischen Leibes." Marianne Schubert hatte Piet Sieperda aus Groningen/Niederlande eingeladen zusammen mit Jonas van der Gathen, der mit uns Bothmergymnastik machte. Wir übten durch die eigene Bewegung für die Raumesebenen wach zu werden. Aus Sieperdas Darstellung ergab sich für die Beobachtungsübungen das Thema "Rücken", dem wir am Beispiel von Haus de Jager, am  Haus Duldeck und der Rudolf Steiner-Halde nachgingen - ein sehr spannendes Thema! Denn unverkennbar ist die dem Hauptbau abgewandte Seite dieser Gebäude das "Gesicht". Sie schauen nach draußen. Dennoch kehren sie dem Hauptbau nicht einfach den Rücken zu. Der Rücken wird in eine empfangende Geste transformiert. Eine Ausnahme bildet die Halde, die tatsächlich all ihre plastische Kraft nach draußen schickt. Interessant war auch der Vergleich mit dem ... Haus von Baravalle, das gleichsam in alle vier Richtungen Ausschau hält.

Der zweite Vortrag Sieperdas war den beiden Polaritäten Ost-West und Nord-Süd im Goetheanumgelände gewidmet, die eine äußerst konsequente Anordnung aller Nebenbauten nach Funktion und Stil erkennen lassen. Peter Ferger schloss das Wochenende schließlich mit einer Betrachtung zum Verhältnis des ersten Goetheanums zum christlichen Kirchenbau ab.

Das sechste Werkstattgespräch wird am 1.-2. Juni 2018 stattfinden unter dem Thema: Die Dynamisierung der Raumesrichtungen im zweiten Goetheanum.

Alexander Schaumann